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Sabaya - Kritik

von Hogir Hirori SE 2021 91min


In “Sabaya” rettet eine Gruppe jesidischer Kurden von dem IS versklavte jesidische Frauen und Mädchen aus dem Al-Hol Flüchtlingscamp. Die Männer ziehen Nachts bewaffnet mit Smartphone und Pistole los, um in dem Camp die s.g. Sabaya zu finden und mit in ihr Zentrum zu nehmen, bevor diese wieder komplett zurück geführt werden. Das Zentrum dient dabei auch als Puffer, Resozialisierungsort, an dem die stark traumatisierten Frauen ihrer Erfahrungen reflektieren. Dabei kümmern sich die Frauen der heroischen Männer um jegliche Haus- und Pflegearbeit, während die Männer vernarrt in die auferlegte Aufgabe, sich immer nur um die nächste Rettung kümmern. Dabei riskieren sie ihr Leben. Das Al-Hol Camp ist nach Aussage des Film eines der gefährlichsten Flüchtlingscamps überhaupt. Auch im Film sind Schießereien mit der Camp-Polizei zu hören. Im Camp werden die Männer des Zentrums jedoch wieder von vor Ort bewaffneten Frauen (womögliche kurdische Kämpferinnen) unterstützt, die auch dabei helfen die versklavten Frauen ausfindig zu machen.

Die Rettung der Frauen und Mädchen ist eine heldenhafte, ehrenwerte Aufgabe. Dabei entstehen jedoch, im Vergleich zum Disney-Helden, Umstände, die weniger heldenhaft sind. So lassen sie in einer Szene alle möglichen Frauen in einem Zelt zusammenkommen, um eine einzige jesidische Frau zu finden. Alle anderen sind wohl möglich auch Versklavte des IS. Es wird klar, dass sie nicht alle retten können, aber das Kriterium der Rettung ist die eigene Volksgruppe. Weiter nicht so heldenhaft: Die Frauen der Männer sind alles andere als begeistert über die lebensgefährliche Beschäftigung der Männer. Vermutlich weil sie im Film oftmals zwar selbstsicher und überzeugt tun, ihr Umgang mit Waffen jedoch sehr unsicher ist und die Ausführung der Rettungsaktionen eher ungestüm wirken, als gut geplant. „Sabaya“ ist sensationell gefilmt und geschnitten. Im Subtext wird der Heldenmythos den realen Helden gegenübergestellt und es wird deutlich: In der Wirklichkeit kann niemand die ganze Welt und die Liebe retten. Der Film verschweigt das nicht und das ist gut so.

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